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Miteinander reden

aus der Focus-Gruppe


Wir sollten miteinander reden statt übereinander

 

In der monatlichen focus-Gruppe, die ich in meiner Praxis anbiete, widmen wir uns aktuellen gesellschaftlichen Themen. Mit Hilfe der Aufstellungsarbeit können wir diese aus ganzheitlicher Sicht abbilden und begreifen, was es von uns als Gesellschaft braucht um diese Probleme zu lösen. 

 

Es ist ein offener Treff, wo jede:r willkommen ist.

 

Diesmal war der Ausspruch von Kanzler Merz „Stadbildproblem“ und die darauffolgende Reaktion von jungen Frauen „Wir sind die Töchter“ das Thema. Uns interessierte: Woher kommt diese Empörungskultur? Eine Spaltung, wo jede:r meint die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und die andere Seite nicht mehr vorkommen darf.

 

Wir haben folgende Rollen aufgestellt:

 

1. „Merz“ als Vertreter für den Ausspruch Stadtbildproblem

2. „junge Frauen“ für den Ausspruch wir sind die Töchter

3. „Stadtbildproblem“ für Menschen, die geflüchtet sind

4. „Stadtbevölkerung“ alle weiteren Menschen die in Berlin leben

Kursiv geschrieben, sind die Rollen-Namen im folgenden Text.

 

Als erstes Bild war sehr beeindruckend, dass die Menschen, um die es ging, die als „Stadtbildproblem“ angesehen werden, gar keinen Bezug zum Rest der Bevölkerung hatten. Sie hatten so gar nichts mit dieser Auseinandersetzung zu tun, da sie nicht unsere Sprache sprechen, nicht unsere Medien schauen und unsere Kultur nicht kennen. Sie standen am Rande der Gesellschaft und waren auf sich alleine gestellt. Sie wollten überleben, sich hier zurechtfinden und das Beste für sich erreichen. Wer will das nicht?

 

> hier trifft die Feststellung zu: Dass wir über sie reden, aber nicht mit ihnen

 

Als nächstes zeigte sich, die schlechte Kommunikation zwischen „Merz“ und den „jungen Frauen“. "Merz" wollte den "jungen Frauen", von oben herab erklären, wie sie die Welt zu sehen hätten. Also aus Sicht der alten weißen Männer (auch wenn ich das Klischee nicht mag, beschreibt es das Problem hier sehr gut), sehr aus dem Verstand heraus und einer rationalen Logik. Was die jungen Frauen wütend machte, so von oben herab behandelt zu werden.

 

Mit der Emotionalität der „jungen Frauen“ konnte „Merz“ zunächst gar nicht umgehen. Ich würde bald sagen, es war eine Art der Überforderung, die sich zunächst in einer Art Maßregelung und Abwertung gegenüber den „jungen Frauen“ zeigte. Die „jungen Frauen“ ließen sich aber nicht beirren und blieben bei ihrer Meinung, die besagte unsere Welt als Frau sieht anders aus als deine. Da kam langsam Verständnis bei „Merz“ auf und die „jungen Frauen“ wurden ruhiger. Sie begannen sich auf Augenhöhe zu begegnen und es kam zu einem wahren Austausch. Was dabei auffällig war, es ging in überhaupt nicht um das Thema „Stadtbildproblem“, das kam erst später in der Aufstellung hinzu.

 

Die übrige „Stadtbevölkerung“ die aus Alt-, Neu- und integrierten Berliner:innen bestand, hatte sich zunächst gar nicht für das Thema interessiert, nach dem Motto: “Was haben wir damit zu tun, soll es doch die Politik richten.“ Diese Einstellung änderte sich im Laufe der Aufstellung. Sie erkannten nun, dass „junge Frauen“ den Schutz und die Unterstützung der Bevölkerung brauchten.

 

Mit dieser Einsicht knüpften sie Verbindung, sowohl zu dem „Stadtteilproblem“ wie auch zu den „jungen Frauen“, beide Gruppen wurden gesehen. Die „Stadtbevölkerung“ diente als eine Art Vermittler zwischen den beiden Gruppen. Die Menschen des „Stadtbildproblems“ veränderten sich dadurch und wollten jetzt doch dazu gehören und hier eine neue Heimat finden.

 

Fazit des Abends

Dieser Abend hat für mich gezeigt, wenn wir uns als Gesellschaft mehr für die Gemeinschaft mitverantwortlich fühlen würden, könnten die Schwächsten der Gesellschaft besser eingebunden werden. Und es nicht alleine der Politik und den Aktivist:innen überlassen.

 

Lasst uns miteinander reden statt übereinander.

 

Wir haben alle andere Erfahrungen, Vorstellungen und Meinungen vom Leben, gehen wir in den Austausch und…

„Wir sollten einräumen, dass der Andere auch Recht haben könnte.“

 

Anmerkung zu Aufstellungsarbeit

Aufstellungen zeigen unsichtbare Dynamiken, es ist nicht die „in Stein gemeißelte Wahrheit“, aber eine Möglichkeit die Dinge anders betrachten zu können.

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